Auch zeitlose Klassiker haben ihre Zeit gebraucht.
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Vom Tuten und Blasen
Instrumentalisiert zu werden, ist sogar für Musiker nicht immer gut.
Qual und das Bad
Mit schmerzverzerrtem Gesicht schlich ich in die Küche. Qual saß am roten Küchentisch und studierte die Zeitung. Erfahrungsgemäß konnte dies eine Weile dauern.
Als lediglich der Lokalteil übrig war, der noch weniger Aufmerksamkeit von ihm bekam als ich, wandte er sich mir zu. „Wen hast du denn beim Duschen verdroschen? Bist du jetzt der neue Bad Spencer?“ Seinen Wortwitz ignorierend, erzählte ich: „Bin ausgerutscht und gegen eine Fliese gekracht. Hätte nicht gedacht, dass ich das mal sage, aber wir haben unser Bad zu gründlich geputzt. Der leichte Schmutzfilm hat doch immer für einen gewissen Halt gesorgt. Jedenfalls können wir unsere geplante Runderneuerung schon eher in die Tat umsetzen.“
„Und was schwebt dir da jetzt vor?“, erkundigte sich Qual, der kurz überlegt zu haben schien, ob er nicht doch noch nach dem Lokalteil greifen sollte.
„Hauptsache keine Terrazzoplatten, die sieht man inzwischen wieder viel zu oft. Hotels mit Terrazzoplatten spielen auch Bach auf der Toilette.“
Auch wenn Qual und ich oft nicht einer Meinung waren, so stimmten wir doch in der unserer Ansicht nach zu herrschenden Ruhe auf dem Abort überein, also ergänzte er ironisch: „Stimmt. Am besten dann noch seine Kantate Weinen, klagen, sorgen, zagen, damit man den Verzehr der miesen Miesmuscheln vom Buffet des Vorabends noch mal so richtig angemessen bereuen kann.“ Er gluckste freudig bei der Premiere seines neuesten Kopfkinos. „Meinst du nicht doch eher die Pilze mit Pilzbefall?“, vergewisserte ich mich lächelnd. „Allzu saure saure Gurken?“ Ich musste überlegen. „Pappige Paprika?“ Qual schüttelte den Kopf. „Okay, der letzte war nichts, du hast gewonnen. Hast du Hunger?“, fragte ich. „Jetzt nicht mehr.“
Ferngespräch
Ob E.T. heute immer noch nach Hause telefonieren würde?
Qual und die Blutspende
Amüsiert sah ich Qual zu, wie er auf seine typische Art und Weise hektisch den Raum im Zickzack durchquerte. “Ich kann einfach kein Blut sehen…das lockt nur Haie an!” rechtfertigte er sich. “Und davon mal abgesehen: Wenn es Vampire geben sollte, ist das hier ein Präsentierteller für die!” Entspannt lag ich auf einer Entnahmeliege im Dachgeschoss des Gebäudes, das normalerweise als Treffpunkt für Senioren diente, die dort bei Kaffee und Gebäck ihre Krankheitsgeschichten und Wetterprognosen austauschten. Im Ernst, kein Frosch der Welt ist bei der Vorhersage so präzise wie eine Truppe Rentner mit Felderfahrung.
“Vampire gibt es nicht. Obwohl, das hab ich von Geistern bisher auch gedacht”, versuchte ich ihn zu beruhigen, “trotzdem ist es richtig Blut zu spenden. Es dauert nicht lange, man bekommt am Ende was zu essen und es hilft denen, die es brauchen.” Qual gefiel das dennoch nicht: “Warum musste ich ausgerechnet an den Menschen geraten, der sein Blut verteilen will wie ein Rasensprenger Wasser?! Deine Blutgruppe ist ja nicht mal selten, du bist wieder mal nur ein Teil der breiten Masse!” Da hatte Qual nicht ganz Unrecht, dennoch wusste er, dass das nichts ändern würde. Schweigsam drehte er seine Runden, bis es triumphal aus ihm herausplatzte: “Und was ist mit Samenspenden? Die helfen auch den Menschen, die sie brauchen!”
Qual und die Kunst
“Und nun der Moment, auf den sie alle gewartet haben, ich möchte sie allerdings bitten, keine Fotos zu machen.” Elegant zog Qual das Bettlaken von der Staffelei. Erwartungsvoll sah er mich an. “Respekt, darauf muss man erstmal kommen. Edvard Munch wär bestimmt begeistert.” Per Photoshop hatte Qual “Der Schrei” um eine Szene im Sommerschlussverkauf ergänzt, der Schreiende hält einen Schuh und hat in seiner Version lange Haare. “Ich wusste, es würde dir gefallen. Eine Daueraustellung können wir trotzdem nicht daraus machen, die Haare hab ich mit den Nudeln von gestern dargestellt…”
Qual und der Zufall
“Lasagne! Immer nur Lasagne! Die machst du ständig! Kannst du nichts anderes?” beschwerte sich Qual über meine Wahl unseres Abendessens. Verdutzt starrte ich ihn an. “Ich mag sie. Und ich koche auch andere Sachen. Nudeln zum Beispiel.” Jemandes Augen begannen zu rollen. “Als ob das einen Unterschied machen würde. Dieselben Zutaten, nur in anderer Form. Das kennt man schon von Claudia Schiffer und Heidi Klum. Dorsch mit Mangold, das ist ein Gericht!” Blitzschnell analysierte ich die Lage, wir hatten unseren täglichen Mexican standoff.
“Also schön, wir spielen Schere, Stein, Papier. Best of five, keine Extras wie Brunnen, Panzer oder tollwütiges Eichhörnchen. Klar soweit?” Meine Bestimmtheit schien ihn allerdings nur kurz zu beeindrucken, dann ging unser verbaler Boxkampf in die nächste Runde. “Sicher, aber ich hab nur Flossen, du Depp!”, fuhr er mich wild mit seinen Stummeln gestikulierend an. Diesmal zeigte ich ihm den Touché-Blick, den hatte er sich verdient. “Dann spielst du halt permanent Papier…”, frotzelte ich, “na gut, Münzwurf, 50:50-Chance, fairer geht es nicht. Kopf oder Zahl?” Qual verstummte und ging deutlich spürbar alle Optionen durch. “Und wenn sie auf der Kante liegen bleibt?”, fragte er schließlich. “Dann geben wir uns selbige und spielen Kabeljau blau!”
