In eigener Sache

Werte Qualianer, Quallen oder wie auch immer ihr euch nennen mögt,

da die Veröffentlichung des Buches rund um unseren spukenden Freund zwar noch nicht in greifbare Nähe gerückt, aber doch so langsam am Horizont abzusehen ist (Details werden noch nicht verraten), werden die Anekdoten und Denkanstöße ab sofort zumindest nicht mehr in der gewohnten Regelmäßigkeit erscheinen. Das gibt uns mehr Raum für den letzten Feinschliff und eine kühle Limo zwischendurch. Hin und wieder wird es sich Qual allerdings nicht verkneifen können, seine Gedanken in den Äther zu schicken.

Wer mit der neu gewonnenen Freizeit nichts anzufangen weiß: Geht doch mal wieder ein Baumhaus bauen. Oder pflanzt erstmal einen Baum. Danach warten.

Haltet die Flossen steif

 

 

Qual und die Fitness

Ich zog mir gerade im Flur die Schuhe an, als Qual gemächlich um die Ecke schwebte. “Wo willst du denn hin?”, fragte er. “Du wirst es nicht glauben, aber ich habe mich entschlossen nach draußen zu gehen!” Qual kam noch näher an mich heran. “Wieso das denn? Ist das Essen schon wieder alle?” “Nein. Schau mal. Sporthose, Sportshirt, Sportschuhe – klingelt es bei dir?” Ungläubig schaute er sich meine Ausstattung an. “Das ich das noch erleben darf.” “Ich weiß, ich habe auch lange mit meinem inneren Schweinehund gekämpft. Aber das Wetter ist inzwischen einfach zu gut für meine zu-kalt-zum-Laufen-Ausrede. Außerdem hab ich es auch langsam wieder nötig.”

Qual konnte sich einen Kommentar nicht verkneifen: “Gut, dass du es selbst sagst. Früher oder später hätte ich dich mit lustigen Spitznamen eh dazu getrieben.” Besorgt schaute ich ihn an. “Was wären das für Namen gewesen?” “Och, noch nichts Dramatisches. Angefangen hätte ich wohl mit “Der Herr der Schwimmringe”, “Fatman begins” oder schlicht “Der Blob”, übrigens ein chronisch unterschätzter Film von Weltklasse.” “So so, na bloß gut, dass mir das erspart blieb.” Qual kramte eine vergilbte Liste aus einem Schubfach. “Was hälst du von Schnitzelschlepper, Pommespummelchen oder Gorleben II?” “Durchaus kreativ. Wie dem auch sei, ich mach mich auf den Weg. Nicht umsonst sprach schon Darwin von dem “Survival of the Fittest”, ich laufe so gesehen also wortwörtlich um mein Leben.” “Schön gesagt. Allerdings gebrauchte Darwin den Begriff Fitness viel mehr im Sinne einer bestmöglichen Anpassung und meint damit nicht ausschließlich die physische Verfassung. Da ein athletischer Körper jedoch zurzeit in deiner Gesellschaft als erstrebenswertes Schönheitsideal durchgeht und du durch ein regelmäßiges Training dich diesem annäherst, ist der Vergleich durchaus zutreffend. Nun denn, frohes Schaffen. Aber bitte lauf ohne Kopfhörer, die Musik bringt dich aus dem Rhythmus und nichts ist nerviger als Jogger, die sich zu je einem Drittel singend, tanzend und irgendwie laufend vorwärts bewegen. Im schlimmsten Fall noch zur Titelmusik von Rocky.”

Qual und die Wellness-Oase

Beim Gewinnspiel eines örtlichen Spa & Beauty-Wohlfühltempels hatte die Jury aus allen eingesendeten Lösungen Quals Antwort als die beste auserwählt. Gefragt worden ist, was man für einen Raum zum Entspannen unbedingt benötigt. Qual: „Wände!“ Der Veranstalter bezeichnete seine Antwort bei der Bekanntgabe des Siegers als visionär und zukunftsweisend, als ultimative Form des Bewusstseins mit Blick auf das Wesentliche. Da Qual selbst nicht körperlich verwöhnt werden konnte, nahm ich den Preis, ein kostenloser Tag in erwähntem Wohlfühltempel, für ihn an. Nach den ersten Sauna-Gängen und einem ayurvedischen Allerlei trafen wir uns an der Cocktailbar. „Du hast echt was gut bei mir. Traumhaft! Gibt es eigentlich Tiere, die sich so behandeln?“

„Natürlich! Schimpansen sind Meister der Shiatsu-Ganzkörpermassage! Es gibt Tage, an denen sie sich permanent gegenseitig die Fußreflexzonen verwöhnen lassen. Oder Schildkröten! Wie oft sieht man Schildkrötenpaare verträumt am Strand entlang watscheln? Ständig! Im Mondschein tätschelt das Männchen dann in rhythmischen Bewegungen mit der zuvor in Kokosmilch getauchten Flosse liebevoll den Panzer des Weibchens, bis dieses eingeschlafen ist“, schilderte Qual. „Echt?“ „Nein, du Nase! Tiere müssen so etwas nicht tun, weil sie sich ihrem Bauplan entsprechend verhalten und dadurch eben keine Blockaden, Verrenkungen und Reizungen zuziehen. Die Natur hat nun einmal nicht vorgesehen, dass der Mensch zehn Stunden am Tag im Büro sitzt und auf Bildschirme starrt, während der Zeigefinger der rechten Hand mit der Maus alles anklickt, was sich bewegt.“ „Ich spiele schon lange nicht mehr Moorhuhn…“